02.04.26

Setztzeit

Rücksicht im Frühjahr: Was Sondler jetzt im Wald besonders beachten sollten

Der April ist für viele Naturfreunde eine der schönsten Zeiten des Jahres. Alles wird grün, die Böden sind oft noch gut begehbar, und es zieht viele Menschen wieder hinaus in Feld, Flur und Wald. Doch genau jetzt beginnt auch eine besonders sensible Phase in der Natur: die Brut- und Setzzeit. Rehe, Hasen, Bodenbrüter und viele andere Wildtiere haben Nachwuchs oder stehen kurz davor. Für uns Sondler heißt das: Jetzt ist besondere Vorsicht, Rücksicht und Aufmerksamkeit gefragt.

Wer mit der Sonde im Wald oder an Waldrändern unterwegs ist, sollte sich immer bewusst machen: Wir betreten keinen leeren Raum, sondern den Lebensraum vieler Tiere. Gerade im Frühjahr können schon kleine Störungen große Auswirkungen haben.

Warum das Frühjahr so sensibel ist

Im Frühjahr ziehen viele Tiere ihren Nachwuchs groß. Rehkitze werden gesetzt, Vögel brüten am Boden oder in niedrigem Gebüsch, Junghasen liegen regungslos in ihren Sassen, und auch Wildschweine führen jetzt oft Frischlinge. Viele Jungtiere sind perfekt getarnt, du wirst sie häufig gar nicht bemerken — und genau darin liegt die Gefahr.

Was für uns wie ein ungestörter Waldweg, ein ruhiger Waldrand oder eine interessante Suchfläche aussieht, kann in Wirklichkeit Kinderstube und Rückzugsort zahlreicher Wildtiere sein. Wer sich unachtsam bewegt, quer durch Dickungen läuft oder unnötig Lärm macht, kann Tiere aufscheuchen, Gelege gefährden oder Elterntiere von ihrem Nachwuchs trennen.


Worauf Sondler jetzt besonders achten sollten

Gerade in dieser Jahreszeit gilt: Weniger ist oft mehr. Nicht jede Fläche, die theoretisch interessant wäre, sollte auch tatsächlich begangen werden.

Besonders vorsichtig solltest du sein:

  • an Waldrändern mit dichtem Bewuchs
  • in Schonungen, Dickungen und Jungwuchsflächen
  • auf Wildwechseln und in ruhigen Rückzugsbereichen
  • in hohem Gras, an Hecken und in unübersichtlichen Randzonen
  • in Bereichen, in denen Bodenbrüter vorkommen könnten

Waldränder sind im Frühjahr oft besonders sensibel. Sie bieten Deckung, Nahrung und Schutz — also genau das, was Wildtiere für die Aufzucht ihres Nachwuchses brauchen. Für Sondler heißt das: Solche Bereiche nicht gedankenlos absuchen und lieber Abstand halten, wenn Anzeichen für Wild vorhanden sind.


So solltest du dich beim Sondeln verhalten

Rücksicht beginnt lange bevor der erste Fund aus dem Boden kommt. Schon dein Verhalten auf der Fläche macht einen Unterschied.

Wichtig ist vor allem:

Bewege dich ruhig und aufmerksam. Vermeide hektisches Herumlaufen, laute Gespräche oder unnötigen Lärm. Bleib möglichst auf vorhandenen Wegen oder in übersichtlichen Bereichen, statt kreuz und quer durch sensible Zonen zu laufen.

Achte auf Spuren des Wildes. Frische Fährten, Losung, Trittsiegel, Liegeplätze oder aufgeregt reagierende Tiere sind klare Hinweise, dass du dich in einem sensiblen Bereich befindest. Dann gilt: Abstand gewinnen und die Stelle verlassen.

Halte deinen Radius klein. Im Frühjahr ist es sinnvoll, Suchgänge kürzer und kontrollierter zu gestalten, statt große Flächen “abzuarbeiten”.

Verzichte auf das Sondeln in Bereichen, die erkennbar als Rückzugsräume dienen. Nicht alles, was erlaubt oder erreichbar ist, ist auch sinnvoll.


Was man jetzt lieber lassen sollte

Es gibt ein paar Dinge, die man im Frühjahr konsequent unterlassen sollte:

Nicht durch dichtes Unterholz, Schonungen oder hohes Gras stapfen, nur um noch “eben schnell” eine interessante Ecke mitzunehmen.

Keine Bereiche absuchen, in denen sichtbar Wild ruht, äst oder sich zurückzieht.

Keine Hunde unkontrolliert mitlaufen lassen. Selbst ein freundlicher Hund bedeutet für Wildtiere enormen Stress und kann Jungtiere aufstöbern.

Nicht länger an Stellen verweilen, an denen Tiere nervös reagieren oder warnen. Gerade Vögel verraten durch ihr Verhalten oft, dass sich in der Nähe ein Nest oder Jungtiere befinden.

Und ganz wichtig: Nicht aus Neugier nach Jungtieren suchen. Der Wald ist kein Streichelzoo, und das Sondeln darf niemals zur Störung von Wild werden.


Wenn du ein Jungtier allein findest

Das ist eine Situation, die viele Menschen falsch einschätzen. Ein allein liegendes Jungtier ist nicht automatisch verlassen.

Ein Rehkitz etwa wird von der Ricke oft bewusst allein in Deckung abgelegt. Auch Junghasen sitzen häufig regungslos und scheinbar schutzlos da, während das Muttertier in der Nähe bleibt oder nur zu bestimmten Zeiten zurückkehrt. Vögel wiederum verlassen bei Störung manchmal kurz das Nest oder Jungvögel sitzen bereits außerhalb davon.

Deshalb gilt grundsätzlich:

Nicht anfassen. Nicht mitnehmen. Nicht umsetzen.

Auch dann nicht, wenn das Tier hilflos wirkt. In den meisten Fällen ist dieses Verhalten völlig normal. Wildtiereltern sind oft in der Nähe und kehren zurück, sobald wieder Ruhe eingekehrt ist.

Am besten verhältst du dich so:

  • sofort Abstand nehmen
  • das Tier nicht berühren
  • den Bereich ruhig und zügig verlassen
  • andere Personen ebenfalls fernhalten

Warum das so wichtig ist? Weil zusätzliche Nähe für das Jungtier Stress bedeutet und weil jede unnötige Störung die Rückkehr des Muttertiers verzögern kann.


Wann man doch handeln sollte

Ausnahmen gibt es natürlich. Wenn ein Jungtier offensichtlich verletzt ist, sich in akuter Gefahr befindet oder du sicher beobachten kannst, dass ein Elterntier tot ist, dann kann Hilfe notwendig sein. In so einem Fall solltest du aber nicht eigenmächtig handeln, sondern eine zuständige Stelle kontaktieren — zum Beispiel den zuständigen Jagdausübungsberechtigten, die Wildtierhilfe oder die örtliche Polizei, falls schnell Hilfe organisiert werden muss.

Wichtig ist: Erst beobachten, dann melden — nicht vorschnell eingreifen.


Verantwortung gehört zum Sondeln dazu

Sondeln bedeutet mehr als Technik, Genehmigungen und Fundberichte. Es bedeutet auch Verantwortung gegenüber der Landschaft, in der wir unterwegs sind. Gerade im Frühjahr zeigt sich, ob wir uns wirklich als rücksichtsvolle Nutzer des Waldes verstehen.

Ein guter Sondler erkennt, wann Zurückhaltung wichtiger ist als der nächste Suchgang. Er respektiert sensible Bereiche, nimmt Warnsignale ernst und lässt der Natur in dieser besonderen Zeit den nötigen Raum.

Denn am Ende gilt: Kein Fund ist es wert, Wildtiere zu gefährden.


Fazit

Im Frühjahr ist beim Sondeln im Wald besonders viel Rücksicht gefragt. Zwischen April und in den Frühsommer hinein sind viele Wildtiere mit Brut, Aufzucht und Setzzeit beschäftigt. Gerade in dieser Phase sollten Sondler im Wald und an Waldrändern besonders aufmerksam, ruhig und zurückhaltend unterwegs sein, sensible Bereiche meiden und Jungtiere auf keinen Fall anfassen oder stören.

Etwas unkritischer wird es meist ab spätem Sommer, also ungefähr ab August, wenn die intensivste Zeit der Jungenaufzucht bei vielen Tierarten vorbei ist. Ganz sorglos sollte man sich aber auch dann nicht verhalten, denn der Wald bleibt immer Lebensraum von Wildtieren. Rücksicht, Aufmerksamkeit und ein respektvoller Umgang mit der Natur sollten deshalb zu jeder Jahreszeit selbstverständlich sein.